Hier sind wir zu Hause. Gemeinsam sind wir das Volk.

Hier sind wir zu Hause. Gemeinsam sind wir das Volk.

Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen Max Frisch (Schweizer Schriftsteller)

Die Geschichte Deutschlands ist nicht erst seit Bestehen der Bundesrepublik durch Zu- und Abwanderungen als Massenbewegungen geprägt. Migration hat in Deutschland eine lange Tradition.

Migration im 18. und 19. Jahrhundert

Bis vor 150 Jahren war Deutschland ein klassisches Auswanderungsland. Im 18. und 19. Jahrhundert wanderten viele Deutsche wegen der bitteren Armut oder aus religiösen Gründen nach Russland oder Nord- und Südamerika aus. Jeder sechste Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika hat deutsche Vorfahren. Dies ist das Ergebnis einer der größten Völkerwanderungen der Geschichte. Fast 20 Millionen Menschen, darunter mehr als fünf Millionen Deutsche, emigrierten im 19. Jahrhundert nach Amerika.

Ein weiteres Beispiel für die Auswanderung aus Deutschland ist die Übersiedlung von Pfälzern und Hessen nach Frankreich im 19. Jahrhundert, wo sie maßgeblich am Ausbau des Kanalnetzes und der Eisenbahn mitgewirkt haben. Insgesamt wird die Anzahl deutscher Auswanderer in dieser Zeit auf 6 Millionen Menschen geschätzt.

Umgekehrt fanden gegen Ende des 17. Jahrhundert zehntausende Hugenotten, die wegen ihres Glaubens aus Frankreich fliehen mussten, in Deutschland Aufnahme.

In Deutschland wuchs in der Phase der Hochindustrialisierung nach der Reichsgründung 1871 der Bedarf an Arbeitskräften immens an. Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/1871 wurden zur Industrialisierung des Ruhrgebietes erste so genannte „Ruhrpolen“ angeworben. Dies waren Bergarbeiter aus Oberschlesien und polnische Landarbeiter aus Ost- und Westpreußen sowie Posen.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts beginnt ein neuer Abschnitt deutscher Migrationsgeschichte. Mit der gewaltsamen Kolonialisierung afrikanischer Länder siedelten Deutsche nach Namibia, Tansania, Kamerun und Togo um. Gleichzeitig, wenn auch in geringerer Anzahl, kamen Menschen der dortigen schwarzen Bevölkerung zum Studium oder als Arbeiter nach Deutschland.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden wiederum Arbeiter aus den polnischen Gebieten Preußens, Österreich-Ungarns und Russlands in großer Anzahl saisonal für die deutsche Landwirtschaft vor allem auf ost-elbischen Gütern angeworben. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren in der sommerlichen Hochsaison etwa 1,2 Millionen ‚ausländische Wanderarbeiter’ im Deutschen Reich tätig.

Zwischenkriegszeit

In der Weimarer Republik sank die Anzahl der ausländischen Arbeitsmigranten deutlich. Gleichzeitig gewannen Zwangswanderungen (Flucht, Umsiedlung, Vertreibung) erheblich an Bedeutung für das Migrationsgeschehen nach 1918. Mehr als zehn Millionen Menschen mussten in Europa nach den Friedensverträgen unfreiwillig die Grenzen überschreiten. Berlin wurde zeitweilig zum europäischen Zentrum der russischen Emigranten, die vor der Revolution in Russland und dem dort tobenden Bürgerkrieg geflohen waren.

Migration im Nationalsozialismus 1933 – 1945

Die Zeit des Nationalsozialismus war geprägt von zahllosen politischen Vertreibungen, Zwangsmigrationen und der NS-Siedlungspolitik für Volksdeutsche.

Aus den eroberten Gebieten (insbesondere der Sowjetunion und Frankreich) Menschen in großer Anzahl als Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene nach Deutschland verschleppt, wo sie als Arbeitskräfte die deutsche Kriegswirtschaft unterstützen mussten. Zehn, vielleicht sogar zwölf Millionen ausländische Zwangsarbeiter wurden in der deutschen Kriegswirtschaft beschäftigt.

Die Situation bei Ausgang des Zweiten Weltkriegs war geprägt von den Folgen der Bevölkerungspolitik der Nationalsozialisten und den kriegsbedingten Migrationsbewegungen.

Migration nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg liegt die deutsche Wirtschaft am Boden. Die Wirtschaftshilfen der Amerikaner aber, die Währungsreform und ein allgemeiner Aufbauwille in der deutschen Nachkriegsgesellschaft verhelfen Deutschland in den 50er und 60er Jahren zu einem einzigartigen Wirtschaftsboom, dem so genannten Wirtschaftswunder.
Mit dem Wirtschaftswunder der Bundesrepublik wurden immer mehr Arbeitnehmer gesucht, die auf dem inländischen Markt nicht mehr zu finden waren. Und so schloss die Bundesrepublik am 20. Dezember 1955 mit Italien das erste Anwerbeabkommen ab. Es folgten Abkommen mit Griechenland und Spanien (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem ehemaligen Jugoslawien (1968).

Die meisten „Gastarbeiter“ erhalten zunächst nur für ein Jahr das Aufenthaltsrecht. Sie arbeiten vor allem in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, der Eisen- und Metallindustrie und im Bergbau. Dort werden sie als angelernte Arbeiter vor allem in Bereichen eingesetzt, in denen schwere, schmutzige und Schichtarbeit geleistet werden muss und nach Akkordlohn bezahlt wird – oft am Fließband in großen Industriebetrieben. Sie machen überdurchschnittlich viele Überstunden, wohnen meist in billigen Gemeinschaftsunterkünften.

„Ausländische Werktätige“ in der DDR

Auch die DDR holte zwischen 1962 und 1989 wegen akuten Arbeitskräftemangels, vor allem wegen der Abwanderung bin den Westen bis zum Mauerbau 1961, rund 500.000 „ausländische Werktätige“ zunächst aus Polen, später auch aus Ungarn, Algerien, Kuba, Mosambik, Angola, Nordkorea und Vietnam ins Land.

Deutschstämmige (Spät-)Aussiedler

Die größte kontinuierliche Migrationsbewegung nach Deutschland infolge des Zweiten Weltkriegs bilden seit den frühen 1950er Jahren die deutschstämmigen (Spät-)Aussiedler aus den sozialistischen Ländern Osteuropas. Seit 1950 sind über 4,5 Millionen Aussiedler einschließlich ihrer Familienangehörigen in die Bundesrepublik eingewandert. Allein seit 1990 bis Ende 2008 fanden fast 2,5 Millionen Spätaussiedler Aufnahme. Die größte Gruppe kam – mit über 2 Millionen Menschen – aus der ehemaligen UdSSR (so genannte Russland-Deutsche). Von 1950 bis 1984 kamen pro Jahr durchschnittlich 36.000 Aussiedler, vorrangig in die Bundesrepublik Deutschland. 1987 und 1988 stiegen die jährlichen Zuwanderungen stark an. 1988 wanderten bereits 203.000 Aussiedler ein, im Jahr 1990 waren es fast 400.000.